Die allgemeine Y2K-Entwarnung war nur wenige Stunden alt - da erlebten viele Homebanking-User eine böse Überraschung: Buchungen waren nicht mehr möglich, Kontoauszüge wurden nicht oder mit einem falschen Datum eingelesen und Kurse nicht mehr aktualisiert.
Nach Informationen unserer Leser betrafen die Probleme die meisten der bekannten Finanz- und Homebanking-Programme (Quicken, QuickBooks, MS Money, StarMoney, S-Connect, Wiso-Homebanking, BankUp) und mit wenigen Ausnahmen alle Geldinstitute. Betroffen waren die angeblich Jahr-2000-festen aktuellen Versionen, während beispielsweise Quicken 6 problemlos arbeitete. Die Hersteller behaupten unisono, an ihrer Software läge es nicht - die würde das neue Datum richtig verarbeiten. Doch da die Bankrechenzentren mit dem Jahreswechsel teilweise auch ihre Zugangsseiten verändert hatten, kam es zu `Interpretationsproblemen´, was heißt: Die alten Makros beziehungsweise Scripts, mit denen die (von jeher unzureichend standardisierten) BTX-Seiten ausgelesen werden, passten nicht mehr zu den geänderten Seiten. Da diese Makros von den Softwareherstellern mitgeliefert werden, tragen diese letztlich auch die Verantwortung dafür.
Mit einer besseren Abstimmung zwischen den Bankrechenzentren und den Homebanking-Programmierern hätte sich der Ärger sicher von vornherein vermeiden lassen. So könnte man meinen, dass die Anwender als Testgruppe für Y2K-Bugs herhalten mussten.
Erfreulich immerhin: Schon kurze Zeit nach dem Ansturm auf die Hotlines wurden erste Updates ins Internet gestellt. Lexware gab sogar seine bisher sehr restriktive Informationspolitik auf und informierte unter http://quicken.lexware.de/support/download.htm über die aufgetretenen Probleme. Zwei Updates vom 4. 1. 2000 machen Quicken 98 und Quicken 2000 fit für die Kommunikation mit wichtigen (aber nicht allen) Bankrechenzentren, weitere Updates sind angekündigt. Quicken 6 hat wie gesagt kein Y2K-Problem, jedoch muss das Update vom 3. 5. 99 eingespielt sein (unter gleicher Internet-Adresse verfügbar). Achtung: Wer im Quicken-Menü `Online > Quicken im Internet > Quicken Technischer Support´ wählt, wird in die Irre geführt, denn unter der damit aufgeschlagenen, ganz ähnlich aufgemachten Seite http://www.intuit.com/germany/quicken/support/ gibt es lediglich veraltete Informationen und Updates. Für QuickBooks ist eine Aktualisierung zeitgleich mit dem Quicken-Update erschienen (http://www.quickbooks.de/support/download.asp).
Die von uns festgestellten Abstimmungsprobleme zwischen Quicken 2000 und der Postbank, der HypoVereinsbank sowie mehreren Sparkassen sind mit diesem Update behoben worden. Leser berichten jedoch weiterhin über Schwierigkeiten mit der Berliner Sparkasse und der Dresdner Bank. Unabhängig von den aktuellen Y2K-Problemen halten wir die Verwertung der Bankinformationen durch Quicken für mangelhaft. Im Unterschied zu vielen anderen Programmen wird die Empfängerinformation nicht ausgewertet, die Verwendungszweckzeile ist auf 27 Zeichen begrenzt, teilweise (wie bei HypoVereinsbank) werden hier noch unwesentliche Protokolldaten mit eingetragen. Direkt nach dem Jahreswechsel verweigerte Quicken 2000 überdies das Abholen neuer Kurse, auch dies ist nach dem Update wieder möglich.
MS Money 99/Version 2000 versagte ebenfalls im Zusammenspiel mit einigen Bankinstituten;
so war es bis Redaktionsschluss nicht möglich, Umsätze von der Postbank
zu laden - ein Update war nicht in Sicht. Bei StarMoney ließen sich keine
einschlägigen Probleme mehr feststellen, nachdem wir am 6. Januar die neuesten
Bankmakro-Aktualisierungen eingespielt hatten. Das Wiso-Homebanking-Programm
arbeitete mit dem Update 2.00.05 vom 10. 12. 99 und den von uns getesteten Banken
ebenfalls korrekt. Wer es jedoch versäumt hat, dieses Update noch im alten
Jahr aufzuspielen, verliert alle Buchungen zwischen dem 31. 12. 99 und dem ersten
Bankzugang mit diesem Update. Das wiegt um so schwerer, da das Wiso-Programm
ein manuelles Eintragen von Buchungen verwehrt. Falls Hersteller Buhl Data diesen
Fehler nicht noch behebt, muss gegebenenfalls das gesamte Konto neu angelegt
werden. Buhl Data räumte Anfang Januar noch Probleme mit 25 bis 30 Prozent
aller Banken ein.
Auch das Mac-Programm BankUp bekam Schwierigkeiten bei der korrekten Datumsinterpretation;
ein Update soll noch im Januar für Abhilfe sorgen (http://www.application-systems.de/bankup).
(ae)