Steuersenkung

Drei Steuerprogramme für Mac und PC

Steuerprogramme sollen unter anderem die Stolperfallen der Steuererklärung abmildern - und die Anwender haben sich mittlerweile an einen gewissen Komfort gewöhnt, der auch gerade bei Mac-Programmen erwartet wird.

Unterthema: Steuerprogramme - Checkliste

Keiner der Windows-Marktführer aus unserem Vergleichstest [1] hat sich bisher dafür hergegeben, ein Produkt auf den Mac zu portieren. Doch immerhin: Als es Gerüchte gab, dass das einzige verbliebene Mac-Steuerprogramm `SteuerFuchs' (siehe [2]) eventuell nicht mehr weitergeführt wird, sprang ein Hersteller mit einem schnell zusammengeschusterten Programm in die vermeintliche Marktlücke.

Neben diesem einzigen Programm, das auf beiden Plattformen läuft, testeten wir noch das reine Mac-Programm TaxUp von Hartwerk sowie einen Nachzügler für die Windows-Plattform. Das Programm `SteuerPilot 2003' (DeltaworX Software) haben wir nicht in den Vergleich mit einbezogen. Die Formulare der Einkommensteuererklärung sind zwar enthalten, doch gibt es weder eine Datenübernahme aus dem Gewinnermittlungsteil noch einen vorausberechneten Steuerbescheid.

Die Hersteller der Windows-Programme geben sich alle Mühe, die Stolpersteine des deutschen Steuerrechts komfortabel abzupolstern. Die Anwender sind dabei mit Bedienkomfort, Eingabehilfen bis hin zu Multimedia-Schnickschnack reichlich verwöhnt. Solchen Komfort sucht man allerdings zumindest in zwei der hier vorgestellten Programmen vergebens. Lediglich TaxUp bietet teilweise pfiffige Eingabehilfen und Tastaturkürzel sowie eine freie Fenstergestaltung.

Dass die elektronische Steuererklärung ELSTER von Mac-Programmen nicht unterstützt wird, liegt nicht an deren Herstellern, sondern an der Finanzverwaltung, die das ELSTER-Modul bisher nur für Windows bereitstellt. Aber auch die beiden Windows-Programme in unserem Test (`Steuerlotse' und `Geld zurück' in der Windows-Version) unterstützen ELSTER nicht.

Wir legten für den Test wieder unseren in [1] beschriebenen Teststeuerfall zugrunde. Dabei fiel auf, dass alle drei Programme die von unserem Steuerzahler erhaltene Abfindung nicht in die Bemessungsgrundlage für die Kürzung des Vorwegabzugs (Sonderausgaben) einbezogen. Außerdem zogen TaxUp und Steuerlotse auch bei gemischten Fahrten Fahrtkosten, die die anteilige Kilometerpauschale überstiegen, als Werbungskosten ab, was die Finanzämter ebenfalls ablehnen. Unsere Kandidaten kamen deshalb - sofern sie sonst richtig rechneten - auf etwas höhere Erstattungen, als das Finanzamt voraussichtlich gewähren wird. Keines der Programme kann die getrennte und die besondere Veranlagung unseres Testehepaars in einem einzigen Steuerfall behandeln.

Die Sicherheit der eingegebenen Daten schützen nur zwei der Testkandidaten mit Passwort und Verschlüsselung der Dateien. `Geld zurück' bietet keinen Passwortschutz und legt die Daten im Klartext ab.

Geld zurück - Steuer 2003

Das neu auf den Markt gekommene Programm `Geld zurück - Steuer 2003' lässt sich sowohl auf dem Mac als auch auf dem PC verwenden, die Hybrid-CD enthält beide Versionen.

Steuerformulare bekommt man hier wie auch im gesamten Programm nicht zu Gesicht. Erst der Ausdruck zeigt, ob alles ok ist, denn es gibt noch nicht einmal eine Druckvorschau. Ungeachtet dessen sind die Eingabedialoge streng nach dem Vorbild der (hier Bögen genannten) Finanzamtsformulare aufgebaut. Man könnte auch sagen: von diesen abgeschrieben, denn sie bieten wirklich nicht mehr, manchmal weniger als die entsprechenden Formulare.

Bei den Werbungskosten aus Vermietungseinkünften (Anlage V) sind einige Dialoge völlig unverständlich, weil nirgends gesagt wird, dass sie sich auf Erhaltungsmaßnahmen beziehen. Andere fehlende Erläuterungen zu Prozentangaben an gleicher Stelle könnten sogar zu Fehleingaben verleiten - wenn diese Eingaben überhaupt eine Wirkung hätten. Solche Prozentangaben ignoriert das Programm jedoch schlicht, ebenso wie alle Einträge zu Schuldzinsen.

Die freiberuflichen Einnahmen und die Abfindung unseres Test-Steuerzahlers tauchten im berechneten Bescheid nicht mehr auf, wurden jedoch in der Summe der Einkünfte berücksichtigt. Umgekehrt bei Einnahmen und Kosten aus Vermietung: Sie wurden zwar (soweit erfassbar - siehe Schuldzinsen) sauber aufgelistet, aber nicht einberechnet. Eingetragene ÖPNV-Ausgaben werden dagegen stets in voller Höhe abgezogen, was der Gesetzgeber mit Einführung der Kilometerpauschale so nicht beabsichtigt hat. Zum Schluss weist die Berechnung Erstattungen falsch als `Noch zu zahlen' aus.

Zwar kann man nach dem Öffnen eines Falles wählen, ob Ehepartner zusammen, getrennt oder `besonders' veranlagt werden sollen, jedoch beeinflusst dies nur ein entsprechendes Häkchen auf dem Mantelbogen. Für unser Test-Ehepaar erhielten wir die Zusammenveranlagung als günstigste Veranlagungsform. Ganz falsch - dies wäre die ungünstigste Wahl.

Steuerlotse 2002/2003

Bis vor einem Jahr wurde eine Variante des Steuerlotsen als `Fuji Steuermanager' von Fuji Magnetics vertrieben [2], einer Firma, die sonst vor allem Datenträger herstellt. In diesem Jahr ist nur noch die Originalversion des Herstellers Home Data erhältlich, was sich für die Kunden in Form einer kräftigen Preiserhöhung auswirkt.

Änderungen gegenüber dem vor einem Jahr getesteten Steuermanager beschränken sich auf die Einarbeitung der neuen gesetzlichen Regelungen und die Verbesserung und Erweiterung der kontextsensitiven Hilfetexte.

Die Eingabedialoge sind - anders als bei `Geld zurück' - thematisch geordnet und meist auf mehrere zusammengehörige Karteikarten verteilt. Dieser Aufbau ist logisch und sehr übersichtlich. Eine Formulareingabe ist im Steuerlotsen nicht vorgesehen, jedoch ist die Vorschau stets nur einen Mausklick entfernt.

Fälle des Vorjahres werden vom Programm nicht wie in TaxUp einfach geöffnet, sondern importiert, wobei sich die zu übernehmenden Themenbereiche wählen lassen. Die Auswahlliste entspricht der `Interview' genannten Themen-Vorauswahlliste bei Neuanlage eines Falls. Leider wird hier nicht angezeigt, welche Themenkomplexe bereits Daten enthalten. Die Daten angekreuzter Themenkomplexe werden mit einigen Ausnahmen (Angaben zu Kindern, Eigenheimförderung) komplett übernommen.

Unverständlich ist, dass dabei keine Umrechnung von DM nach Euro erfolgt. Alle Beträge sind nun plötzlich in gleicher Höhe als Euro ausgewiesen. Einen Button für die Umrechnung von DM nach Euro gibt es nur in Listen, nicht zu den normalen Eingabefeldern. Auch die AfA-Tabellen enthalten durch diese 1:1-Übernahme anfangs falsche Abschreibungs- und Restwert-Beträge, diese werden jedoch nach Klick auf den Summe-Button aktualisiert. Ähnlich bei den Fahrtkosten, die (anders als im Vorjahr) nun übernommen werden: Hier muss man temporär wenigstens eine Angabe ändern, dann wird die Summe aktualisiert.

Die fehlende Eingabe-Markierung im Interview kann zu Problemen führen, wenn man zu einem angelegten Fall nachträglich Themen hinzufügt. Vergisst man, einen Komplex, der bereits Eingaben enthält, erneut zu markieren, wird er ausgeblendet - die Daten werden jedoch in die Rechnung nach wie vor mit einbezogen. Dieses bereits im Vorjahr bemängelte Verhalten wurde bisher nicht abgestellt, allerdings weist der Hersteller nun in der Hilfe darauf hin.

Der berechnete `Steuerbescheid' orientiert sich formal und inhaltlich an dem des Finanzamts. Immerhin ist er deshalb - anders als bei den anderen beiden Kandidaten - kommentiert, wenn auch knapp.

TaxUp 2003 lite

`TaxUp' heißt der Nachfolger des bekannten Mac-Steuerprogramms `SteuerFuchs'. Seit Jahresanfang vertreibt Hersteller Hartwerk die Version `TaxUp 2003 lite'. Eine erweiterte Version `TaxUp 2003 Pro' ist angekündigt. Der Steuerfuchs existiert derweil weiter im Internet: als Online-Steuerberechnungsmodul unter www.steuerfuchs.de. Die Steuererklärung lässt sich hier interviewgeführt ausfüllen, die Daten bleiben verschlüsselt auf dem Server gespeichert, bis man die Übertragung ans Finanzamt per ELSTER veranlasst. Erst dann wird eine Gebühr von derzeit knapp 15 Euro fällig.

TaxUp lite ist mit 19 Euro nur wenig teurer, allerdings nicht ELSTER-fähig, da die entsprechenden Programmmodule von der Finanzverwaltung bisher nur für Windows-Rechner bereitgestellt werden. Außerdem ist man auf den so genannten Formularmodus festgelegt: Alle Daten müssen in die auf dem Bildschirm angezeigten Formulare eingetragen werden. Trotzdem ist das Programm mehr als eine Ausfüllhilfe, denn hinter alle Betragsfelder lassen sich Tabellen (auch verschachtelte) legen. Intern werden die Eingaben für die Errechnung des voraussichtlichen Steuerbescheids verwendet.

Eine spezielle Importfunktion für Vorjahresdaten hat TaxUp nicht, doch lassen sich solche (SteuerFuchs-)Fälle ganz normal öffnen. Das bedeutet aber, dass die Daten 1:1 übernommen werden, falls das überhaupt möglich ist. Wenn beispielsweise das Finanzamt die Formulare und damit auch Eingabefelder geändert hat, fallen die Daten unter den Tisch. Dies betrifft unter anderem alle Angaben zu den Kindern, diese mussten wir komplett neu eingeben. DM-Beträge des Vorjahres werden ebenfalls 1:1 übernommen, tauchen also nun in gleicher Höhe als Euro auf. Allein das zwingt dazu, alle Vorjahreseinträge komplett durchzugehen und zu korrigieren. Eine einfache Möglichkeit, von DM in Euro umzurechnen, bietet TaxUp nicht, das ist ein echter Mangel. Die umgekehrte Funktion (Euro zu DM) ist dagegen vorhanden - doch sie wird in diesem Jahr nicht mehr benötigt.

Bei der `Schätzung' der Steuer war die Ermittlung des Ausbildungsfreibetrags für uns nicht nachvollziehbar und offensichtlich falsch. Bei gemischten Fahrten wurden `Aufwendungen für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln' bereits dann steuermindernd angesetzt, wenn sie allein die Kilometerpauschale überstiegen. Schwerwiegender als solche Fehleinschätzungen ist, dass die anteilmäßigen Sanierungskosten nach §10f (in Anlage FW) vom Programm nicht ins Formular eingetragen wurden (eine manuelle Eintragung ist hier nicht möglich). Unberücksichtigt blieben auch Prozenteinträge in den Spalten zu Werbungskosten bei Vermieteinkünften.

Im Vergleich zum SteuerFuchs des Vorjahres vermissten wir vor allem den `SteuerNavigator', eine Mischung aus ausführlicher steuerlicher Hilfe und Interview-Funktion mit Links zu den passenden Formular-Eingabefeldern. Der Navigator soll erst wieder in der angekündigten Pro-Version von TaxUp enthalten sein. Diese wird auch die Gewerbe- und Umsatzsteuererklärung ermöglichen und damit in Funktionsumfang und Preis (39 Euro) dem SteuerFuchs weitgehend entsprechen. TaxUp lite ist laut Herstellerangaben für Anwender gedacht, die sich mit den Formularen auskennen und keinerlei steuerliche Hilfe benötigen.

Fazit

Jeder Vergleich ist relativ, deshalb sollte Sie die teilweise recht schlechte Bewertung der Programme in der Checkliste nicht zu sehr schrecken. Die Maßstäbe setzten die in [1] vorgestellten Marktführer der Windows-Welt. TaxUp und SteuerLotse sind zwei einfache, aber solide Programme, obwohl wir das völlige Fehlen einer steuerlichen Hilfe auch bei einer `lite'-Version (TaxUp) für nicht gerechtfertigt halten. Für den Mac bleibt der SteuerFuchs-Nachfolger sogar das einzige empfehlenswerte Programm. `Geld zurück' ist wegen der zahlreichen Bugs, aber auch wegen der offenbar nur ungenügend durchdachten Konzeption keine Alternative. (bb)

Literatur

[1] Ralph Altmann: Steuersenkung, c't 1/03, S. 104

[2] Ralph Altmann: Ran an den Steuerkuchen, c't 1/02, S. 102 und Für Steuerfüchse, c't 6/02, S. 90

Kasten 1


Steuerprogramme - Checkliste

ProgrammnameGeld zurück - Steuer 2003Steuerlotse 2002/2003TaxUp 2003 lite
FirmaG DATA SoftwareHome DataHartwerk GmbH
URLwww.gdata+B36.dewww.homedata.dewww.taxup.de
VertriebTradesoft (www.playmax.de)über Home datawww.taxup.de, www.arktis.de
Betriebssysteme Mac ab OS 9, OS X, Windows ab 98 SE ab Windows 95 ab Mac OS 8.6, OS X
HD-Speicher, RAM-Empfehlung (Mbyte)25 MByte HD12,5 MByte HDkeine Angabe
Eingabe und Bedienung
Passwortschutz-fallbezogenfallbezogen
Dialog-Markierung / Sprungfunktion---
Interview-Modus--- (für Pro-Version angekündigt)
Formulareingabe (ESt-Erklärung)--+
Belegeingabe: Steuerjahr / lfds. Jahr-nur Arbeitsmittel+ / -
Eingabedialoge: Suche / Volltextsuche-nur Stichwortsuche-
steuerliche Hilfen Dialoghilfe, Formular-Ratgeber (PDF) Feldhilfe, Registerhilfe, Steuerbuch, Tipps und Urteile - (für Pro-Version angekündigt)
Notizen / mit Suchfunktion bzw. Übersicht-+ / --
DM-Eingabe++-
automatische Speicherung / Backup+ / ---
Datenübernahme
Optionen für VJ-Übernahmenicht getestet, da neu1:1, Bereiche wählbar1:1, außer bei Formular-Änderungen
Markierung übernommener Daten---
Übernahme Notizen/Lesezeichen-+-
weitere Importmöglichkeiten---
Leistungsumfang
Unterstützte Anlagen N, Kind, KAP, GSE, FW, V, AUS, AV, SO, VA N, Kind, KAP, GSE, FW, V, AV, SO N, Kind, KAP, GSE, FW, V, AUS, AV, SO
Antrag LohnSt-Freibetrag /325-EUR-Regelung---
USt-Erklärung/Voranmeldung--pro-Version
Gewerbesteuererklärung--pro-Version
Einheitlich gesonderte Feststellung---
Anträge Eigenheim- / Investitionszulage---
EÜR Steuerjahr / lfds. Jahr---
Getrennt- und Besondere VeranlagungBescheid fehlerhaftin getrennten Steuerfällenin getrennten Steuerfällen
Steuerplanung---
Steuertabellen---
Musterbriefe159-
Besonderheiten, ZusätzeSteuer-Schnellrechner, Textverarbtg.AfA-Verwaltung über mehrere Jahre-
Online-Funktionen
ELSTER / Bescheid-Rückübermittlung---
Online-Update+++
Newsletter / Internet-Forum- / -+ / -+ / -
Auswertung
Erläuterung/mit KiSt+Soli-+ / +-
Was-Wäre-Wenn-Modus-+-
Vorjahr-Vergleich---
lfd. Steuerberechnung (`Steuer-Tacho')-+alle Ergebnisse
Druck in Formulare / als Formular+ / ++ / +- / +
A3-Druck / Duplex-Druck---
Versionen: Preis(/Update) ca.20 EUR31 / 26 EUR19 EUR (bis Ende März 15), pro-Vers. 39
Bewertung
Leistungsumfang[-][-][-] 1
Eingabetiefe[--][±][±]
Datenübernahmenicht getestet[-] 2[-] 2
Handhabung[-][+][-] 1
steuerliche Hilfe[±][±][--] 1
Steuerbescheid-Erläuterung[-][±][-]

1 Bewertung gilt für Lite-Version. Die nicht getestete Pro-Version dürfte hier wenigstens einen Punkt besser abschneiden.

2 Abwertung wegen fehlender Euro-Umrechnung

[++] sehr gut [+] gut [±] zufrieden stellend [-] schlecht [--] sehr schlecht + vorhanden - nicht vorhanden k. A. keine Angabe

Autor: Ralph Altmann

Auszug aus c't-Magazin 5/03 S.134
© Heinz Heise Verlag

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